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Weihnachtsgeschichte 2015

Noah und das Reh

 

 

Es war in einer Weihnachtsnacht, als ein kleiner Junge alleine durch den Wald strich. Er lebte in der verlassenen Hütte seiner Eltern. Dort konnte er sein Leben so leben, wie er es wollte – mit all den Tieren der Natur um ihn herum.

 

Noah hatte sich sehr auf Heilig Abend gefreut. Denn an solch besonderen Tagen waren die Tiere des Waldes immer besonders glücklich, wenn er sie besuchte und sie hatten lange, erquickende Gespräche miteinander. Oft musste er laut lachen, wenn die Schnecken wieder einen ihrer Witze erzählten oder die Vögel ihr Gefühlsleben über die Baumkronen ausschütteten und sich lauthals freuten, wenn es von einem anderen Piepmatz, der fröhlich von Ast zu Ast hüpfte, erwidert wurde. Er liebte es, den Füchsen zuzusehen, wenn sie mit ihren Kindern spielten und neugierig lauschte er den Plänen, welche die ach so schlaue Wildschweinfamilie wieder ausheckte. Am allerliebsten aber philosophierte er mit der Rehfamilie,die genau hinter seiner Hütte lebte. Sie waren sehr, sehr weise und kannten alle Menschen und Tiere ihrer Heimat. Sie wussten stets ganz genau, vor wem sie zu fliehen hatten und wem sie vertrauen konnten. Sie liebten ihren Wald und taten alles Erdenkliche, damit es den Bäumen, Sträuchern und den anderen Tieren ihres Waldes gut geht. Wie sie das taten? Sie sandten Liebe aus. Zu jeder Tages-und Nachtzeit liebten sie alle Geschöpfe des Himmels und der Erde und dankten dem Schöpfer, dass Er auch in schlimmen Zeiten für sie sorgte. Denn sie wussten, auch wenn ihr Leben auf der Erde zu Ende sein sollte, Er hatte genügend Platz für sie alle in seinem Himmelreich. In dieser einen Nacht aber, in der Noah wie so oft durch den Wald wanderte, fand er seine beste Freundin, Amanda, eine weise Rehfrau. Blutend lag sie im Dickicht und ihre Familie stand um sie herum. Es herrschte eine traurige, aber sehr feierliche Stimmung unter ihnen allen. Amanda hatte sich an einem Stacheldraht, den Menschen achtlos im Wald liegen gelassen hatten,so schwer verletzt, dass sie langsam verblutete. Niemand konnte ihr mehr helfen. Selbst wenn Noah jemanden gefunden hätte, der sie hätte verarzten können, es wäre zu spät gewesen. Das Eigenartige aber war, dass Amanda selbst gar nicht traurig war. Nein, sie war so friedlich und ruhig, wie Noah es noch nie erlebt hatte. Es schien, als sei sie in grünes, liebliches Licht eingebettet, durchzogen mit rosafarbenen, kleinen Wölkchen. Noah bekam eine Gänsehaut und ein paar Tränen liefen seine zarten Wangen herunter. Er würde seine geliebte, weise Freundin verlieren. Die Gefährtin, die ihm immer sagte, wann und wo Gefahr herrschte, welches Kraut er essen darf und welches ihn krank machen würde, wer von den wenigen Menschen, die ebenfalls im Wald wohnten, Gute waren und von wem er sich besser fernhalten sollte. Sie wusste sogar, wie es den Geschöpfen in weit entfernten Wäldern ging und was sie erlebten. Das hatte sie Noah stets mitgeteilt, so dass er seine Freunde in diesen Wäldern um Hilfe bitten konnte. Nun sollte es nicht mehr lange dauern und die Seele seiner liebevollen Gefährtin Amanda würde im Himmelreich aufgenommen werden. Er kniete sich vor sie und legte seine kleinen Hände auf ihre blutenden Wunden. Sie seufzte dankbar auf, das nahm die Schmerzen und die rosa Wölkchen um sie herum wurden größer. Noah wusste, dass es keinen Sinn hatte, jetzt traurig zu sein. Denn er fühlte, dass Amanda ihm etwas zu sagen hatte.

Sie konnte jedoch ihre Botschaft nicht so klar und deutlich vermitteln, wie sie es zu gesunden, fröhlichen Zeiten zu tun pflegte. Noah musste dieses Mal noch stiller werden, als sonst. Er wurde so still, dass er sogar seinen eigenen Herzschlag hören konnte,.....dachte er. Aber in Wirklichkeit waren es Amandas Herz und sein eigens, die in einem Takt schlugen. Ihre Welten wurden zu einer Welt, sie atmeten dieselbe Luft und das Blut, das durch ihre Adern floss, war dasselbe. Da konnte er Amandas Gedanken und Gefühle in sich selber wahrnehmen. Sie schienen aus seinem Herzen zu sprudeln und aus seinem Bauch zu fließen. Er brauchte ihr seine Fragen nicht zu stellen. Amanda hatte sie gehört, bevor er sie in seinem Kopf überhaupt formulieren konnte: ‚Was soll ich denn nun ohne dich anfangen, wer hilft mir jetzt, gut von böse, liebe Menschen von gefährlichen zu unterscheiden? Was kann ich ohne deinen Rat tun, um den Guten, den Hilflosen, den Geschundenen zu helfen?’

Amanda bedeutete ihm, dass sie sehr dankbar und glücklich darüber sei, gerade jetzt in der Nacht, in der die Geburt der Mensch gewordenen göttlichen Liebe gefeiert wird, ihre Seele in den Atem des Schöpfers zurück legen zu dürfen.

„Du wirst nun erwachsen werden, kleiner Noah. Und du wirst verstehen, dass die Liebe immer bleibt. Auch meine Liebe bleibt bei dir und bei meiner Familie und bei allen Geschöpfen, die mich lieben, als ein Teil der unendlich großen Liebe des gesamten Universums und Allem, was noch dahinter ist. So, wie die Liebe dessen, für den heute Nacht in vielen Häusern Kerzen angezündet werden.“ Mit ihrer letzten Kraft hob sie ihren schwachen Kopf und schaute ihre Kinder an, die im beschützenden Halbkreis ihrer Tanten, ihrer Onkel und ihres Vaters vor ihr standen und am liebsten mit ihr gegangen wären. Ihre Augen versanken in jedem einzelnen Augenpaar ihrer Familienangehörigen und hinterließen einen tiefen Schimmer liebevoller Güte und Weisheit. Noah hatte inzwischen seine Hand unter ihren Kopf gelegt. Nun ließ sie ihn sanft in das warme Händchen Noahs gleiten und atmete ein letztes Mal auf dieser Erde aus.

 

Noah aber kniete noch viele, viele Stunden am Boden und hielt achtsam Amandas Körper, der trotz der schlimmen Wunden noch immer eine solche Würde und Liebe ausstrahlte, dass ihm gar nicht kalt werden konnte. Um ihn stand Amandas Familie und sie begannen auf eine wunderbare Weise an zu singen, einen feinen, harmonischen Gesang, wie er es noch nie gehört hatte. Es waren nicht seine Ohren, die diesen Gesang hören konnten, er hörte ihn mit seinem Herzen, ganz, ganz tief drinnen. Der Gesang schien alles in ihm zu heilen, was zu heilen war. Und so konnte er auch nicht mehr traurig sein. Mit einem Mal wurde der Gesang leiser und er hörte eine ihm vertraute, aber veränderte Stimme. So, als spreche Amanda durch einen dichten Nebel hindurch.

 

„Weil du mein menschlicher Gefährte bist und noch eine ganze Weile auf der Erde bleiben wirst, will ich dir mein Geheimnis verraten, das dir und deinen Freunden helfen soll, dich in dieser oft so kaltherzigen Welt zurecht zu finden.

 

Sagt nicht: Ich liebe die Natur. Seid Natur.

Sagt nicht: Ich liebe meinen Freund. Seid euer Freund.

Sagt nicht: Ich liebe das Wasser. Seid Wasser.

Sagt nicht: Ich liebe die Sonne. Seid Sonne.

Sagt nicht: Ich liebe den Baum. Seid der Baum.

Sagt nicht: Ich liebe das Tier. Seid das Tier.

Und

Sagt nicht: Ich nehme mein Leid an. Seid euer Leid.

Sagt nicht: Ich gehe meinen Weg. Seid der Weg.

Sagt nicht: Die Welt soll besser werden. Seid gut.

Denn

Ihr sollt nicht um Freude bitten. Ihr sollt Freude sein.

Ihr sollt nicht um Leben bitten. Ihr sollt Leben sein.

Ihr sollt nicht um Wunder bitten. Ihr sollt Wunder sein.

 

Wenn ihr die Natur seid, wird sie mit euch reden.

Wenn ihr Euer Freund seid, werdet ihr ihn erkennen.

Wenn ihr das Wasser seid, wird es in euch fließen.

Wenn ihr die Sonne seid, werdet ihr die Welt erhellen.

Wenn ihr der Baum seid, werdet ihr Leben spenden.

Wenn ihr das Tier seid, werdet ihr bedingungslos lieben.

Wenn ihr euer Leid seid, schenkt ihr Heilung.

Wenn ihr der Weg seid, findet ihr Gnade.

Wenn ihr gut seid, habt ihr keine Fragen mehr.

Wenn ihr Freude seid, müsst ihr nicht mehr nach dem Sinn suchen.

Wenn ihr Leben seid, ist Gott bei euch.

Wenn ihr Wunder seid, wirkt Gott durch euch.“

 

Noah stand auf. Er war ganz benommen. Noch immer hörte er den wundervollen Gesang. Amandas Stimme war verklungen. Aber sie wirkte in seinem Herzen weiter und er spürte, dass das nie enden wird. Er blickte um sich und erkannte, dass inzwischen alle Tiere des Waldes sich versammelt und mit ihren Herzen in den Gesang mit eingestimmt hatten. Auch sie hatten Amandas Botschaft vernommen. Manche von ihnen kannten sie schon, für manche aber war sie neu. Sie baten Noah, Amandas Körper auf eine Lichtung zu tragen. Er tat, wie er gebeten wurde und alle Tiere begleiteten ihn. Dann setzten sie sich allesamt dicht an dicht um Amandas Leichnam herum, gerade so, wie sie es vor Amandas Hinübergehen immer gemacht hatten und erzählten sich einander ihre Erlebnisse, die sie mit ihr hatten, als sie noch am Leben war. Es wurde geschwatzt und gelacht, geschwiegen und geweint und hie und da blinkte ein Stern am Himmel kurz auf, als würde Amandas Seele ihnen sagen: ‚Ich feiere mit euch.’

 

Als der Morgen anbrach, machte er sich auf den Heimweg. Er fühlte tiefen Frieden und Dankbarkeit in seinem Herzen. Zu Hause angekommen, holte er einen Krug Wasser, füllte damit seine Waschschale und sah dabei zufällig in den Spiegel, der über der Schale an der Wand hing. In der Tat: Er war erwachsen geworden.

In seinem Herzen begann es, zart zu vibrieren und aus den dadurch entstehenden Schwingungen bildeten sich noch einmal Worte, zu ihm herübergetragen mit der Stimme Amandas:

 

‚Erfreue dich jeden Augenblicks und sei die große, namenlose Liebe in

 

Gottes unendlichem Atem.’

 

Noah öffnete die Türe, draußen war hell geworden. Er trat vor seine kleine Hütte. Es war Zeit, Holz zu machen und er machte sich leichten und frohen Herzens an seine alltäglichen Arbeiten.

 

 

©Claudia Maria Struwe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SIMON'S LIFE

Struwe, Claudia Maria
Ein Buch für Tierfreunde
ISBN 978-3-7392-1696-6
Hardcover 224 Seiten
€ 19,99 incl. Mwst

Vortrag 01.Juli 2017

Energetischer Schutz für Menschen und Tiere in Heil- und Lehrberufen. 

 

 

 

 

Wochenendseminare 2017:

 

11./12.März: Basisseminar TMK

 

06./07.Mai: TMK mit Ihrem Tier über Ihr Krafttier

 

03./04.Juni: Auflösung von Traumata und Ängsten bei Haustieren

 

08./09.Juli: Energetisches Handeln und heilsames Denken beim Haustier

 

 

 

 

 

 

 

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