Tier - Mensch - Kommunikation Tier-Mensch-Kommunikation / Mentaltraining
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Tierkommunikation oder Manipulation?

Sinn und Entwicklung einer tierkommunikatorischen Verbindung im Leben einer blinden Hündin

"Warum kannst du deiner Hannah nicht einfach sagen, dass du wieder nach Hause kommst und sie keine Angst haben muss, wenn du ohne sie weggehst?" Ab und zu höre ich diese Frage, wenn ich erkläre, dass unsere blinde Hannah noch nicht so weit ist, alleine zu Hause zu bleiben. Dies ist in meinen Augen eine durchaus berechtigte Frage an eine Tierkommunikatorin, die doch offensichtlich imstande ist, so viele Probleme in der Tier-Mensch-Beziehung über die Verbindung mit dem Tier zu lösen, bzw. Lösungsansätze zu bieten.

 

Meine Antwort lautet: „Ich KANN es ihr nicht einfach sagen.“ Neun Monate wohnt die kleine Rakete nun mit mir und meinen tierlichen Freunden und Freundinnen zusammen. Als sie hierher kam, war sie ein Paket uneingeschränkter Ängstlichkeit, das nicht wusste, wo sein Platz war. Auch wenn ihr ebenfalls blinder Bruder Jack als eines unserer Familienmitglieder sie erst schüchtern, dann sehr liebevoll begrüßte und auch wenn Simon, mein bisher bewusstester tierlicher Mitarbeiter im Team, nach einem anfänglichen Missverständnis sie sehr gut in unseren Verband integrierte – es erforderte jede Menge Nervenstärke, Geduld und Hingabe, ihr den Sinn einer Familie zu vermitteln. Das heißt im Klartext, Hannah lief und lief und lief, von innerer Unruhe getrieben ohne Unterbrechung hin und her, rauf und runter, drunter und drüber. Und zwar über alles, auch über Esstisch, Sessellehne,  Dach des Hasenstalles – und hüpfte von da mit befremdender Selbstverständlichkeit ins Nichts herunter. Ich bin  wahrlich nicht sportlich! Doch ich kann versichern, dass ich sehr, sehr viele, um nicht zu sagen, unzählige Male einen Rettungsspurt hinlegte, um sowohl, ihr Genick vor einem Bruch zu bewahren, als auch die wenigen Gegenstände im Haushalt, die ihren äußerst einsatzbereiten Beißerchen noch nicht zum Opfer gefallen sind!

 

Die Seele weiß, was der Hund noch lernen wird

 

So viel zum sichtbaren Verhalten, das die kleine Hannah aus Griechenland mitbrachte. Es gab für mich noch keine Möglichkeit, emotional anzuknüpfen, weil sie keine Vergleiche hatte. Sie kannte nicht den Vorteil einer Familie, die ihr Geborgenheit vermittelt auf der Basis absolut bedingungsloser und erwartungsfreier Liebe. Woher sollte sie also wissen, was Bindung ist? Sie benötigte Zeit, um die bei uns gesammelten Erfahrungen abzuspeichern und sich selbst in der Reaktion der anderen zu reflektieren, um auf diese Weise  auch etwas über sich zu lernen. Ihre Welt  hatte ja bisher ganz gut funktioniert. Sie hatte Futter, sie lebte und man war freundlich zu ihr gewesen, seit sie von den griechischen Tierschützern aufgenommen wurde.  Auch wenn die Seele Hannah, wie ich es in meinem Buch ‚Simon’s Life’ ausführlich beschrieben habe, ein dreiviertel Jahr  lang unermüdlich in unsere Familie funkte und wir uns trotz rationaler Skepsis nicht dagegen wehren konnten und wollten, brauchte der Hund Hannah Zeit, um zu erkennen und anzukommen.

 

Warten, bis die Seele bereit ist

 

Wie konnte ich ihr dabei helfen? Als ihr blinder Bruder Jack bei uns einzog, ließ er mich recht bald durch seine Augen seine innere visuelle Welt wahrnehmen. Jack war erst ca. drei Monate jung gewesen. Deshalb war seine Seele noch sehr wach und zur Verbindung mit einer verwandten Menschenseele schnell bereit. Hannahs Seelchen jedoch hatte innerhalb ihres ersten Lebensjahres zum Selbstschutz gelernt, sich zu verschließen. Simon war es, der mir half, den rechten Zeitpunkt zu erkennen. Was heißt, er half mir?! Er quetschte es eines Abends mit seinem speziellen ‚Ich-bohre-mich-in-dein-Bewusstsein-Blick’ in meinen Kopf hinein! An jenem Abend durfte ich zum ersten Mal erkennen, wie Hannah ihre innere Welt wahrnimmt: Es gab für sie damals zwei Farben. Wenn ihre Emotionen neutral bis traurig waren, erfüllte ein dunkles Blau ihr inneres Auge. Fröhliche Empfindungen hingegen, zeigten sich ihr in türkisfarbenen Fetzen.

Endlich hatte ich außer zärtlichen Berührungen und meiner Liebe zu ihr ein Kommunikationsmittel, mithilfe dessen ich ein Stück weit  besser mit ihr in Verbindung treten konnte. Seit dieser Erkenntnis war es mir also möglich, ihr mit Hilfe der Farben Dunkelblau und Türkis zu vermitteln, welche Stimmung ihr jeweiliges Verhalten bei mir auslöste. Sie konnte damit in Resonanz gehen und dies erst einmal zur Kenntnis nehmen. Da Tiere im Allgemeinen und Hunde im Speziellen sowieso alles tun, um ihrem Menschen zu gefallen, ging ich davon aus, dass sie vorzog, bei mir fröhliche Gefühle auszulösen.

 

Jedes Tier hat seine eigenen Werte, die man (an)erkennen sollte

 

Doch diese Annahme hatte ich ein wenig voreilig getroffen. Hannah war es recht gleichgültig, ob ich mich aufgrund ihres Verhaltens fröhlich fühlte oder nicht. Warum war das so?  Als ich wieder einmal einen Moment erwischte, in dem sie eine seelische Verbindung mit mir zuließ, erlebte ich eine interessante Überraschung: Hannah bewertet ihre Gefühle nicht. Freude ist einfach anders, als Traurigkeit oder Leere. Anders. Nicht besser, nicht schlechter. Das ist Hannah. Damit konnte ich sie also nicht davon überzeugen, ihre Energie in Handlungen zu investieren, die uns beiden Freude bereiteten. Ich ließ wieder einige Zeit verstreichen und wartete ab, spurtete weiter, um ihre Knochen und mein Hab und Gut zu retten, beobachtete sie und den Rest der Familie.

 

Seine Talente zu fördern hilft dem Tier, seine Gefühle zu entdecken

 

Inzwischen hatte sie sehr wohl lernen können, was es bedeutet, bei uns zu leben, mit uns einen festen Verband zu bilden. Sie hat nun ihren festen Platz in der Familie, sie hat ihre Rolle als Familienmitglied angenommen. Wodurch? Mit Eifer lernt sie Tricks, wie ihr Bruder. Ihre Talente baut sie unter meiner Führung mit ihrer hohen Intelligenz, Neugier und maximaler Handlungsbereitschaft aus. Sie springt über Stangen, dreht sich seit heute durch nur gedankliche Bildübertragung im Kreis, sucht Leckereien und das Warten auf mich, wenn ich für ein paar Minuten das Gelände verlasse, sieht sie inzwischen als Lernaufgabe, die ihr Spaß macht. Wenn sie sich auf Zerstörungstour befindet und ihre Antennen gleichzeitig zufällig auf mentalen Empfang eingestellt sind, kann ich ihr sagen, dass es für mich schöner ist, wenn sie eine bestimmte Zeit Ruhe gibt, weil ich lieber mit ihr zusammen lebe, anstatt sie unaufhörlich maßregeln zu müssen, was lediglich ein nebeneinanderher Leben ermöglicht. Warum kann sie das nun nehmen und das Gefühl der Freude beeinflusste damals ihr Verhalten nicht? Es war die Entspannung, die ihre Seele und ihr Körper dringend brauchten. Entspannung und Geborgenheit hat sie nun zur Genüge aufnehmen können. ‚Sehen’ kann sie diesen Zustand vor ihrem inneren Auge als grüne, lange Wellen mit kleinen, etwas dunkleren Punkten. Der Abstand der Punkte auf diesen grünen Wellen zeigt mir an, wie tief sie sich in der Entspannung befindet. Je größer der Abstand, umso tiefer die Entspannung. Akustische oder kinästhetische Störungen von außen verändern dieses optische Bild, indem plötzlich graue Wellen mit sehr vielen kleinen, nah beieinander liegenden Punkten die grünen Wellen unterbrechen. Dieses Erkennen ist sehr frisch und ich freue mich darauf, es in unsere Kommunikation einzubauen.

 

Wir sehen also, jedes Individuum kommuniziert auf seine Weise. Wir sind die, die warten sollten ohne die Tiere zu bedrängen und zu manipulieren. Denn nur so können sie ihre seelische Essenz entwickeln, bzw. entfalten. Sicher gibt es viele Wege, einen Hund zu integrieren und ihn in der Familie aufzunehmen. Was wir dann aber haben, ist das Resultat unserer eigenen Projektionen und Interpretationen, nicht das wahre Wesen des Hundes oder der Katze, etc. Sie werden uns durch ihr Verhalten, was wir dann als auffällig bezeichnen werden, weil es anders ist, als wir es uns wünschen, dazu bringen, näher hinzusehen und unser eigenes Verhalten zu korrigieren, wenn wir dazu bereit sind.

Dies liegt in unserer Verantwortung. Denn unsere Tiere tragen für uns und sie haben es nicht verdient, dass wir weiter an einem Verhalten oder einem Glaubenssatz festhalten, der das Tier dazu bringt, zu leiden. Denn es wird nicht aufhören, für uns zu tragen. Weil sie die sind, die lieben können. Ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit, auf unsere ungerechtfertigten Maßregelungen, auf ihr Seelenleben. Sie erfüllen ihren Lebenssinn: Sie bringen uns dazu, den unsrigen zu erkennen, bzw. uns ihm anzunähern. Schauen wir hin. Bewusster, als bisher. Die Tiere haben es verdient.

 

Herzlichst, Claudia Maria Struwe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SIMON'S LIFE

Struwe, Claudia Maria
Ein Buch für Tierfreunde
ISBN 978-3-7392-1696-6
Hardcover 224 Seiten
€ 19,99 incl. Mwst

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